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02.08.2026

Tee, Haschisch und Revolution

Die Kultur der ägyptischen Kaffeehäuser

Ob elegante Cafés im Zentrum Kairos oder einfache Quartierlokale in den Gassen der Altstadt: Ägyptens Kaffeehäuser waren Orte der Begegnung, des Spiels und der Unterhaltung. Gleichzeitig wurden sie zu politischen Schaltzentralen, in denen sich der Widerstand gegen die britische Fremdherrschaft formierte.

Von 1805 bis 1848 war der Feldherr und Politiker Muhammad Ali Pascha (1769-1849) Gouverneur der osmanischen Provinz Ägypten («Misri»). Er regierte mit eiserner Hand, bedrohte zum Teil die schwächelnde Zentralmacht in Istanbul, modernisierte das Schulsystem, das Militärwesen, verbesserte die Infrastruktur und sattelte die Landwirtschaft auf den lukrativen Baumwollexport um.

Das Land am Nil stand dann 1882 bis 1922 oder sogar bis Nassers Coup bis 1952 unter direkter oder indirekter britischer Kontrolle. Grossbritannien hatte als Handelsnation vitale Interessen am Suezkanal und sah Ägypten als Basis an, um das «Kronjuwel» Indien zu schützen.

In der Hafenstadt Alexandria, in der Millionenstadt Kairo, in Port Said oder in Ismailia regte sich bereits im späten 19. Jahrhundert entschiedener Widerstand gegen die britische «Fremdherrschaft». In Kairo trafen sich Oppositionelle beispielsweise im «Groppi»*, das von Ausländern geführt wurde.

Tatsächlich wurden viele gediegenere Kaffeehäuser von Fremden wie von Syrern, Griechen, Maltesern, Italienern oder auch Schweizern* (Konditoreien) geführt und bewirteten Beamte, Studenten, Akademiker oder auch Offiziere. Sie wurden oftmals von Konsulaten beschützt, so dass es ihnen möglich war, durch Bestechungen Gesetze zu umgehen und somit den Umsatz zu erhöhen.

In den besseren Kaffeehäusern trank man Tee oder Kaffee – Alkohol war verboten – und rauchte aus «sishas», auch Haschisch. Es wurde auch einmal musiziert, getanzt, kleine Theatervorstellungen wurden gegeben.

Im Theaterviertel trafen sich Schauspielerinnen und Schauspieler sowie ihrer jugendlichen Verehrer, die zum Teil in den Kaffeestuben «wohnten». Ab den späten 1920er Jahren dröhnten Radios mit schlechten Verstärkern, ihr «sound» war eine Art Kakophonie.

Kleinere, einfachere Kaffeehäuser gab es allein in Kairo zu Tausenden, 1937 über 2700. Hier wurde eher Tee getrunken und Tabak oder Haschisch aus «guzah»-Pfeifen geraucht. Bei meist gutem Wetter sassen die Gäste draussen, wobei der Staat da Einschränkungen traf, des dröhnenden Lärms und der Verkehrsbehinderungen wegen.

Zeitungsjungen, Wahrsagern, Entertainern, Betrügern, Strassenhändlerinnen und Strassenhändler oder allgemein Passanten hörten Gesprächen zu, gaben Kommentare ab, so dass sich eigenwillige Formen der Soziabilität entwickelten. Die kleinen Selbständigen waren natürlich auch immer auf der Suche nach einen Handel, «Gschäft isch Gschäft».

Die kleinen «baladi»-Kaffees ihrerseits waren oftmals einer Handwerkerbude oder einem Coiffeursalon angeschlossen. Hier reichten ein einfacher Holztisch, ein Kerosinbrenner sowie mit Stroh gepolsterte Stühle. Speis, Tabak und Trank waren natürlich bedeutend billiger. Möglicherweise erschienen solche für die Nachbarschaftsbildung zentralen Etablissements gar nie in den offiziellen Statistiken.

Auch in diesen Kaffees wurde eifrig politisiert, gegen den Kolonialherrn gewettert, wurden «Ungläubige» in die Hölle gewünscht und revolutionäre Pläne geschmiedet. Illegale Zeitungen und Pamphlete machten die Runde. Bei der antibritischen Revolution von 1919 spielten solche Kaffeehäuser eine bedeutende Rolle, sei es in der Vorbereitung, sei es als Zufluchtsort.

Wer nicht diskutierte, war in Spiele vertieft, namentlich in Kartenspiele, Domino und Backgammon. Diese Spiele betrieben die Akteure – das Kaffeehaus war eine Männerwelt – mit Ernst und Eifer. Laut wurden Steine verschoben, jedoch weniger laut, wie der Kellner die Bestellungen der Kunden quittierte.

Dr. phil. Fabian Brändle, Wil SG
Historiker und Volksschriftsteller


*Giacomo Groppi (1863-1958) war ein Schweizer Konditor und gründete in Kairo ein Kaffeehaus. Er stammte aus dem Tessin und kam während seiner Lehr- und Wanderjahre über Marseille zunächst nach Alexandria, wo er 1890 sein erstes Café eröffnete. Groppi war bekannt als Chocolatier, der die Königshäuser im Nahen Osten belieferte und als Erster Schlagrahm in Ägypten anbot.

Literaturtipps

Fahmy, Ziad. Street Sounds. Listening to Everyday Life in Modern Egypt. Stanford 2020.

Carlier, Omar. Le café maure. Sociabilité masculine et effervescence citoyenne (Algérie XVIIe-XX siècles). In: Annales: Histoires, Sciences Sociales 45/ (1990), S. 975-1004.

Cengiz, Kirli. The Struggle Over Space. Coffeehouses of Ottoman Istanbul, 1780-1845. New York und Birmingham 2000.

Tam, Alon. Cairo`s Coffeehouses in the Late Nineteenth- and Early Twentieth-Centuries. An Urban and Socio-Political History. University of Pennsylvania 2018.

KI-generiert / ChatGPT


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