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08.08.2026
Deutscher Biermarkt auf Talfahrt
Insolvenzen häufen sich – auch viele Traditionshäuser betroffen
Der Bierabsatz in Deutschland sinkt auch nach dem schlechten Vorjahr weiter. Als Gründe werden ein negatives Konsumklima, ein verändertes Ausgehverhalten, die demographischen Veränderungen und Post-Pandemie-Effekte genannt.
Der Bierabsatz in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2.2% oder 85 Millionen Liter auf rund 3.8 Milliarden Liter gesunken.
Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, konnte wenigstens für den Sommermonat Juni eine positive Entwicklung verzeichnet werden (plus 5.2% zum Vergleichsmonat des Vorjahres).
Alkoholfreie Biere, die in Deutschland mittlerweile einen Marktanteil von mehr als 10% erreichen, werden von der amtlichen Statistik nicht erfasst.
81% des gesamten Bierabsatzes waren im ersten Halbjahr 2026 für den Inlandsverbrauch bestimmt und wurden in Deutschland versteuert. Der Inlandsabsatz sank im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 3.1% auf 3.1 Milliarden Liter.
Die restlichen 19% beziehungsweise 719 Millionen Liter wurden steuerfrei überwiegend als Exporte abgesetzt. Das waren 2% mehr als im Vorjahr. Davon gingen 422 Millionen Liter in EU-Staaten und 297 Millionen Liter in Nicht-EU-Staaten.
«Die deutsche Brauwirtschaft steht unter anhaltendem Druck und befindet sich weiter in einer angespannten Lage», teilt der Deutsche Brauer-Bund (DBB) mit. «In den vergangenen zwei Jahren lagen die monatlichen Absatzzahlen nahezu durchgehend unter denen des Vorjahresmonats, und das teilweise deutlich.»
Minus von 18 Prozent seit 2019
Das Jahr 2025 schloss die Branche mit einem Minus von 6% ab, ein Wert, der deutlich über den seit vielen Jahren üblichen 1 bis 2% jährlichen Rückgangs der Biermenge liegt.
Auch 2026 bleibt ein anspruchsvolles Jahr: Bis Mai betrug der aufgelaufene Verlust gegenüber dem Vorjahr mehr als 5%.
Seit Mai 2019, dem letzten Jahr ohne externe Einflüsse durch Corona-Pandemie oder den Krieg gegen die Ukraine, hat die Branche auf Halbjahressicht 550 Millionen Liter Bier verloren, das sind rund 18% des früheren Gesamtmarktes.
«Der Juni 2026 mag mit einem Plus von 5.2% ein Lichtblick sein, bedeutet aber längst keine Trendwende», sagt DBB-Geschäftsführer Holger Eichele. «Tatsache ist, dass es die Braubranche weniger mit einer Absatzdelle als mit einer echten Zäsur zu tun hat, deren Ursachen vielfältig sind.»
Hauptfaktor sei ein durch anhaltende politische Unsicherheit verursachtes negatives Konsumklima, in seiner Wirkung verstärkt durch die demographische Situation Deutschlands und Post-Pandemie-Effekte wie die anhaltende Krise der Gastronomie und das veränderte Ausgehverhalten der Verbraucher.
Auch stellen die Brauereien fest, dass junge Konsumenten deutlich weniger Alkohol trinken als ältere Menschen, dies macht sich immer stärker bemerkbar.
Immerhin wächst der Markt der alkoholfreien Biere. Hier bauen Deutschlands Brauereien ihre Spitzenstellung im europäischen Markt weiter aus. Alkoholfreie Biere bieten laut DBB auch deshalb grosse Chancen für die Brauereien, weil sie damit neue Konsumentenkreise ansprechen. So werden alkoholfreie, isotonische und mineralische Biere besonders bei Sportlern immer beliebter.
Massives Brauereisterben
Nach Einschätzung des DBB befindet sich die deutsche Brauwirtschaft in einem tiefgreifenden Konsolidierungsprozess.
«Mit Blick auf die anhaltend hohen Produktionskosten und den Rückgang des Bierkonsums ist leider damit zu rechnen, dass die Zahl der Brauereien in Deutschland weiter abnehmen wird», so Eichele. Zurzeit müsse jede Woche mindestens eine Brauerei aufgeben, oft handele es sich dabei um Familienbetriebe mit jahrhundertelanger Geschichte.
So wurde im Juli nach 347 Jahren das endgültige Aus der Brauerei Eichbaum in Mannheim besiegelt. Die Warsteiner-Brauerei kündigte an, die Produktion der bekannten Brauerei Herforder in Nordrhein-Westfalen einzustellen.
Im Juni meldete die 1627 gegründete norddeutsche Brauerei «Hofbrauhaus Wolters» Insolvenz in Eigenverwaltung an. In Bayern stellte die historische «Aktienbrauerei Kaufbeuren» aus dem Jahr 1308 den Insolvenzantrag. Auch die fast 850 Jahre alte «Schussenrieder Brauerei Ott» in Bad Schussenried rutschte in die Pleite.
«In dieser Situation ist es besonders bitter, dass von der Politik keinerlei Unterstützung kommt, sondern im Gegenteil weitere Belastungen beschlossen werden», kritisierte Eichele.
Die geplante Zuckersteuer torpediere den erfolgreichen Versuch vieler Brauereien, sich mit alkoholfreien Erfrischungsgetränken ein zweites Standbein aufzubauen: «Diese Steuer ist gesundheitspolitisch verfehlt und wird die Menschen nicht schlanker machen, sondern nur Getränke deutlich teurer. Die Rechnung für diese rücksichtslose Finanzpolitik zahlen mittelständische Betriebe und die Verbraucher.»
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Bild: Deutscher Brauer-Bund
Dossiers: Alkoholkonsum | Bier
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