Suchen Sie Mitarbeiter?
Schalten Sie jetzt für 65 Franken ein Stellenangebot auf Gastro-Express, der führenden Jobbörse für das Schweizer Gastgewerbe. Jahresabos ab 390 Franken.
11.08.2026
Die Gastronomie als Seele einer Stadt
100 Jahre Gastroseelsorge: Warum Zuhören bis heute zählt
Restaurants, Cafés und Hotels sind mehr als Orte des Konsums. Sie schaffen Begegnungen und Gemeinschaft. Seit 100 Jahren richtet die Gastroseelsorge den Blick auf jene Menschen, die diese Orte Tag für Tag möglich machen.
Ein gutes Produkt und die passende Werbung galten lange als Garanten wirtschaftlichen Erfolgs. In der Gastronomie greift diese Vorstellung zu kurz. Denn hier entsteht ein wesentlicher Teil dessen, was einen Betrieb ausmacht, unmittelbar zwischen Menschen.
Während bei Banken, Versicherungen oder Grosskonzernen persönliche Begegnungen zunehmend durch digitale Prozesse ersetzt werden, ist die Gastronomie bis heute vom direkten Kontakt geprägt. Menschen empfangen Menschen. Sie hören zu, nehmen Stimmungen wahr, kennen Stammgäste und erleben mit, wenn gefeiert, diskutiert oder manchmal auch getrauert wird.
Die Gastronomie als «Seele einer Stadt» zu bezeichnen, ist deshalb weniger romantisch, als es zunächst klingt. Restaurants, Cafés, Bars und Hotels sind sogenannte «Third Spaces»: Orte neben dem eigenen Zuhause und der Arbeitswelt, an denen Gemeinschaft entstehen kann. Ihre Türen stehen Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen offen – in Freude, Trauer und Ungewissheit.
Wer hört denen zu, die anderen zuhören?
Dabei wird leicht übersehen, dass hinter dieser Gastfreundschaft Menschen stehen, die selbst einen Alltag mit Sorgen, Konflikten und persönlichen Herausforderungen bewältigen.
Das ist keine neue Erkenntnis. Luise Kuhn, die von 1934 bis 1939 in der Gastroseelsorge tätig war, berichtete bereits damals von den vielfältigen Alltagsschwierigkeiten der Angestellten in der Gastronomie: «Und was man da alles zu hören und sehen bekam, war oft recht niederschmetternd und erdrückend.» (Luise Kuhn, Bericht Juli 1939)
Zwischen ihren Aufzeichnungen und dem heutigen Gastroalltag liegen fast neun Jahrzehnte. Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Erwartungen haben sich verändert. Das Bedürfnis, in schwierigen Momenten ein Gegenüber zu haben, ist geblieben.
Seit der Gründung der Gastroseelsorge 1926 bildet genau dies den Kern unserer Arbeit: zuhören, den einzelnen Menschen ernst nehmen und in herausfordernden Zeiten im und um den Betrieb da sein.
Hinter jedem Thema steht eine Geschichte
Wie steht es heute um die Gastronomie? Welche Rolle spielen Arbeitsbedingungen, gesellschaftlicher Wandel oder psychische Gesundheit? Solche übergeordneten Fragen beschäftigen auch uns. Doch mehr als Konzepte interessieren uns die Geschichten einzelner Menschen.
Denn hinter jedem grossen Thema stehen persönliche Erfahrungen: eine Mitarbeiterin, die trotz eigener Sorgen für Gäste da ist. Ein Gastgeber, der Abend für Abend anderen zuhört. Ein Team, das gemeinsam eine schwierige Zeit durchsteht. Oder jemand, der nicht weiss, wie es beruflich oder persönlich weitergehen soll.
Projektarbeit ergänzt deshalb unsere persönliche Arbeit vor Ort. Im Zentrum steht seit 100 Jahren ein einfacher Gedanke: Wir schenken jenen unser Ohr, die täglich anderen zuhören.
- Zur Geschichte der Gastroseelsorge
- Projektarbeit: Psychische Gesundheit im Gastgewerbe
- Neuer Gastroseelsorger: Roli Staub folgt auf Bernhard Jungen
Gastroseelsorger Roli Staub: «Gastronomie ist die Seele einer Stadt – ihr tragen wir Sorge.»
Dossiers: Gastronomie | Nachhaltigkeit
Permanenter Link: https://www.baizer.ch/aktuell?rID=10047
Suchen Sie eine Stelle im Gastgewerbe?
Inserieren Sie kostenlos auf Gastro-Express, der führenden Jobbörse für das Schweizer Gastgewerbe!





