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14.09.2026
Food-Waste im Alltag
30 CEOs nehmen neue Hebel in den Blick
Rund 30 Geschäftsführer aus der Schweizer Lebensmittelbranche haben sich heute am «CEO Event» des Branchennetzwerks «United Against Waste» getroffen. Das jährliche Treffen fand dieses Jahr im Rahmen der Nationalen Woche gegen Food Waste statt. Im Zentrum stand die Frage, wie Unternehmen gemeinsam mit Konsumenten Lebensmittelverluste wirksamer reduzieren können.
Lebensmittelverluste entstehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren angefangen ihre Verluste zu messen, Ursachen analysiert und interne Prozesse verbessert.
Mehr als 200 Unternehmen und Organisationen engagieren sich im Netzwerk von United Against Waste (UAW). Am diesjährigen CEO-Event richtete das Netzwerk den Blick bewusst auf einen weiteren Hebel: den Alltag der Konsumentinnen und Konsumenten.
Food-Waste entsteht (zu) oft im Alltag
Ein grosses Potenzial zur Reduktion von Food-Waste liegt bei uns allen. In Schweizer Haushalten werden pro Person und Jahr rund 80 Kilogramm essbare Lebensmittel weggeworfen. Mengenmässig entspricht das etwa einem Viertel der Lebensmittelverluste in der Schweiz.
Die Umweltwirkung ist jedoch überproportional: Ein Brot, das zu Hause im Abfall landet, hat bereits deutlich mehr Ressourcen verbraucht als Weizen, der auf dem Feld verloren geht. Gleichzeitig zeigen Befragungen, dass viele Menschen Lebensmittelverschwendung vermeiden möchten.
Im Alltag fehlt jedoch oft der konkrete Anstoss. Hier können Unternehmen einen Beitrag leisten. Sie können Produkte und Angebote so gestalten und kommunizieren, dass es für ihre Kundschaft einfacher wird, Food-Waste zu vermeiden.
Dabei geht es nicht darum, die Verantwortung auf die Konsumentinnen und Konsumenten abzuschieben. Im Gegenteil: Unternehmen prägen mit ihrem Sortiment, ihren Angeboten und ihrer Kommunikation mit, welche Entscheidungen im Alltag naheliegen.
«Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren viel getan, um Lebensmittelverluste in den eigenen Betrieben zu reduzieren. Jetzt geht es darum, den Blick zu erweitern. Wie können Unternehmen ihre Kundschaft dabei unterstützen, im Alltag weniger Lebensmittel wegzuwerfen? Genau dort wollen wir nun weiter ansetzen», sagt Markus Hurschler, Geschäftsführer von United Against Waste.
Weniger Food Waste beginnt bei guten Angeboten
Für diesen Perspektivenwechsel lud United Against Waste Prof. Dr. Johanna Gollnhofer von der Universität St. Gallen an den CEO-Event ein. Die Marketingexpertin beschäftigt sich mit der Frage, wie nachhaltige Produkte und Angebote eine breite Kundschaft erreichen können.
Gollnhofer zeigte, weshalb nachhaltige Angebote trotz guter Absichten häufig in der Nische bleiben. Mit ihrem Ansatz des «60%-Potenzials» plädiert sie dafür, nachhaltige Angebote stärker aus Sicht der Kundinnen und Kunden zu entwickeln und zu vermarkten.
Nachhaltigkeit allein ist dabei selten das entscheidende Argument. Geschmack, Qualität, Gesundheit, Einfachheit oder Preis können für die Kaufentscheidung wichtiger sein.
«Wenn wir mit nachhaltigen Angeboten mehr Menschen erreichen wollen, müssen wir stärker aus ihrer Perspektive denken», sagt Gollnhofer. Nicht die Nachhaltigkeit allein überzeuge, sondern der konkrete Nutzen im Alltag.
«Wir müssen es den Menschen so einfach wie möglich machen, Food-Waste zu vermeiden. Statt mit Nachhaltigkeit zu argumentieren, müssen wir den Kundinnen und Kunden die Frage beantworten, what is in it for me»», so die Uni-Professorin.
Auf Food-Waste übertragen heisst das: Eine Lösung kann noch so sinnvoll sein – Wirkung entfaltet sie erst, wenn sie gekauft, bestellt oder genutzt wird.
Für Unternehmen bedeutet das, ökologische Wirkung und Kundennutzen gemeinsam zu denken. Produkte, Dienstleistungen und Kommunikation sollten Lebensmittelverluste reduzieren und gleichzeitig für die Menschen attraktiv und alltagstauglich sein.
Für gastgewerbliche Betriebe ist Food-Waste nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Herausforderung. GastroSuisse unterstützt die Branche deshalb dabei, Lebensmittel gezielter einzusetzen und praxistaugliche Lösungen in den Betriebsalltag zu integrieren.
«Weniger Food-Waste bedeutet weniger Kosten. Wer Lebensmittel gezielt einsetzt, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit seines Betriebs. GastroSuisse unterstützt die Betriebe mit praxisnahen Lösungen, die im Alltag funktionieren», sagt Verbandsdirektorin Kareen Vaisbrot.
Die Teilnehmer des CEO-Events nutzen das Treffen für Austausch, Inspiration und zur Diskussion von unterschiedlichen Ansätzen, welche über das eigene Unternehmen hinausgehen und die Kundschaft dabei unterstützen sollen, im Alltag weniger Lebensmittel wegzuwerfen.
united-against-waste.ch
- «Mach mehr draus»: Nationale Woche gegen Food-Waste
- Eine Woche gegen Food-Waste in der ganzen Schweiz
- Lebensmittelverluste: Reduktionsziel in weiter Ferne
Bild: United Against Waste
Dossier: Food-Waste
Permanenter Link: https://www.baizer.ch/aktuell?rID=10092
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